{"id":5812,"date":"2026-02-03T07:11:07","date_gmt":"2026-02-03T06:11:07","guid":{"rendered":"https:\/\/www.orbit36.com\/?p=5812"},"modified":"2026-02-04T12:05:52","modified_gmt":"2026-02-04T11:05:52","slug":"missverstandnisse-in-der-aktuellen-debatte-um-die-kapitalregulierung-in-der-schweiz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.orbit36.com\/ch\/missverstandnisse-in-der-aktuellen-debatte-um-die-kapitalregulierung-in-der-schweiz\/","title":{"rendered":"Missverst\u00e4ndnisse in der aktuellen Debatte um die Kapitalregulierung in der Schweiz"},"content":{"rendered":"\n<p>Die Debatte um die Kapitalregulierung systemrelevanter Banken in der Schweiz bleibt kontrovers. In der aktuellen Diskussion werden jedoch Fakten und Meinungen nicht immer sauber voneinander getrennt.<\/p>\n\n\n\n<p>Orbit36 setzt sich f\u00fcr eine sachgerechte und \u00f6konomisch fundierte L\u00f6sung in dieser komplexen und f\u00fcr den Schweizer Finanzplatz zentralen Fragestellung ein. Mit diesem Beitrag m\u00f6chten wir zur Kl\u00e4rung einiger zentraler Missverst\u00e4ndnisse beitragen.<\/p>\n\n\n\n<h5 class=\"wp-block-heading\"><strong>Der Kapitalaufbau ist nicht das Problem, sondern die \u00dcberkapitalisierung<\/strong><\/h5>\n\n\n\n<p>In der aktuellen Debatte wird nicht immer klar unterschieden zwischen den einmaligen Auswirkungen des Kapitalaufbaus \u2013 die UBS m\u00fcsste gem\u00e4ss den Pl\u00e4nen des Bundes rund 26 Milliarden an zus\u00e4tzlichem Eigenkapital im Stammhaus aufbauen &#8211; und den wirtschaftlichen Konsequenzen der damit verbundenen \u00dcberkapitalisierung der konsolidierten Gruppe.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein Kapitalaufbau in dieser H\u00f6he &#8211; um jederzeit den totalen Verlust aller ausl\u00e4ndischen Tochtergesellschaften abdecken zu k\u00f6nnen &#8211; w\u00fcrde die Aktion\u00e4re der Bank auf eine Geduldprobe stellen, weil sie w\u00e4hrend mehreren Jahren mit limitierten Aussch\u00fcttungen zu rechnen h\u00e4tten, obwohl die UBS bereits heute eine f\u00fchrende Kapitalausstattung aufweist. Mit einer ausreichend langen \u00dcbergangsfrist erscheint uns der Kapitalaufbau tendenziell machbar, normale Marktbedingungen vorausgesetzt.<\/p>\n\n\n\n<p>Weitaus gravierender sind aus unserer Sicht die langfristigen Auswirkungen der vom Bundesrat vorgeschlagenen Massnahmen. Die vollst\u00e4ndige Unterlegung der ausl\u00e4ndischen Beteiligungswerte mit hartem Kernkapital w\u00fcrde die UBS dazu zwingen, permanent erhebliche Kapitalressourcen im Stammhaus zu binden. Wie nachfolgend aufgezeigt, w\u00fcrde dadurch auf der konsolidierten Gruppenstufe \u00fcbersch\u00fcssiges Eigenkapital entstehen, das weder produktiv f\u00fcr das Bankgesch\u00e4ft eingesetzt noch an die Aktion\u00e4re zur\u00fcckgegeben werden kann. Gem\u00e4ss unseren Berechnungen betr\u00e4fe dies knapp die H\u00e4lfte des Eigenkapitals der konsolidierten Gruppe. &nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Dies w\u00e4re in mehrfacher Hinsicht problematisch. Zum einen ist es f\u00fcr die meisten Aktion\u00e4re nicht akzeptabel, dass die Bank auf fast der H\u00e4lfe des von ihnen zur Verf\u00fcgung gestellten Kapitals keine Rendite erzielt. Es besteht daher ein Druck, diese \u00fcber h\u00f6here Preise \u2013 z.B. im Kreditgesch\u00e4ft &#8211; zu kompensieren. Dies k\u00f6nnte wiederum dazu f\u00fchren, dass andere Banken ihre Margen ausweiten k\u00f6nnten.<a id=\"_ftnref1\" href=\"#_ftn1\">[1]<\/a>  Auch aus volkwirtschaftlicher Sicht w\u00e4re es wenig sinnvoll, dass Milliarden an Eigenmitteln dauernd zur Abdeckung eines Extremrisikos im Stammhaus gebunden sind und dadurch nicht f\u00fcr die Finanzierung von Investitionen in der Realwirtschaft eingesetzt werden k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<h5 class=\"wp-block-heading\"><strong>Was verursacht die \u00dcberkapitalisierung der konsolidierten Gruppe<\/strong><\/h5>\n\n\n\n<p>Die Eigenmittel von Banken dienen zur Abdeckung der Risiken aus dem operativen Bankgesch\u00e4ft. Sie m\u00fcssen beispielsweise im Falle erh\u00f6hter Kreditverluste sicherstellen, dass die Bank weiterhin solvent bleibt. Aus diesem Grund stellen Aufsichtsbeh\u00f6rden strenge Anforderungen an die Anrechenbarkeit von Eigenmitteln. Regulatorisch ist deshalb nicht das gesamte Eigenkapital einer Bank anrechenbar \u2013 es kommen Abz\u00fcge zur Anwendung. Bei der UBS belaufen sich diese Kapitalabz\u00fcge (z.B. f\u00fcr Goodwill und immaterielle Verm\u00f6genswerte) auf rund 14 Milliarden USD.<a id=\"_ftn1\" href=\"#_ftnref1\">[2]<\/a> <\/p>\n\n\n\n<p>Wie aus der nachfolgenden Abbildung ersichtlich, f\u00fchren neben den Kapitalabz\u00fcgen auch bindende Kapitalanforderungen auf der Stammhausebene dazu, dass die UBS auf der konsolidierten Gruppenebene zus\u00e4tzliche Eigenmittel ausweist, die nicht produktiv genutzt werden k\u00f6nnen. Dies sind basierend auf den heutigen Stammhaus-Vorschriften \u2013 ausl\u00e4ndische Beteiligungen m\u00fcssen mit 45 Prozent CET1 und 15 Prozent AT1 unterlegt werden &#8211; weitere rund 13 Mia. USD, die dazu f\u00fchren, dass die UBS auf der konsolidierten Gruppenstufe faktisch eine CET1-Quote von rund 14 Prozent aufweisen muss.<a id=\"_ftn1\" href=\"#_ftnref1\">[3]<\/a>&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"595\" src=\"https:\/\/www.orbit36.com\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/Grafik_UBS_Stammhaus-1024x595.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-5798\" style=\"width:1024px;height:auto\" srcset=\"https:\/\/www.orbit36.com\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/Grafik_UBS_Stammhaus-1024x595.png 1024w, https:\/\/www.orbit36.com\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/Grafik_UBS_Stammhaus-900x523.png 900w, https:\/\/www.orbit36.com\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/Grafik_UBS_Stammhaus-768x446.png 768w, https:\/\/www.orbit36.com\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/Grafik_UBS_Stammhaus.png 1192w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\"><strong>Abbildung 1: Auswirkungen der geplanten Kapitalvorschriften auf das Eigenkapital<\/strong><br><em>Erste S\u00e4ule: Das buchhalterische Eigenkapital der UBS-Gruppe (konsolidiert, auf IFRS-Basis) betrug per 31.12.2024 rund 85 Mia. USD. Davon d\u00fcrfen 14 Mia. USD nicht als regulatorische Eigenmittel angerechnet werden. Das CET1-Kapital auf Gruppenstufe belief sich auf 71 Mia USD. Davon sind 58 Mia. USD erforderlich, um die formell ab 2030 geltenden Kapitalvorschriften f\u00fcr die konsolidierte Gruppe zu erf\u00fcllen. Weitere 13 Mia. USD an CET1 werden als Konsequenz der heutigen Eigenmittelvorschriften im Stammhaus gehalten, diese sind f\u00fcr die Gruppe bereits heute bindend und f\u00fchren dazu, dass die Gruppe faktisch eine CET1-Quote von 14 Prozent aufweisen muss.<\/em><br><br><em>Zweite S\u00e4ule: Die vom Bundesrat vorgeschlagenen Massnahmen w\u00fcrden dazu f\u00fchren, dass sich der Eigenmittelbedarf im Stammhaus um 26 Mia. USD erh\u00f6ht. Als Folge w\u00fcrde die konsolidierte Gruppe ein Eigenkapital (IFRS) von 111 Mia. USD ausweisen. Das CET1 beliefe sich auf 97 Mia. USD, entsprechend einer CET1-Quote von rund 19 Prozent. Die Kapitalabz\u00fcge bleiben unver\u00e4ndert.<\/em><br><br><em>Dritte S\u00e4ule: Die vom Bundesrat vorgeschlagenen Abz\u00fcge von latenten Steuerguthaben, Software und Prudential Valuation Adjustment (PVA) w\u00fcrden dazu f\u00fchren, dass sich die Summe der Kapitalabz\u00fcge auf der Gruppenebene auf 28 Mia. USD erh\u00f6ht. Als Folge k\u00f6nnte die UBS nur noch ein CET1-Kapital von 83 Mia. USD ausweisen, entsprechend einer CET1-Quote von rund 17 Prozent.<\/em><\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p><em>Quelle: Eigene Berechnungen, Finanzreport und Pillar 3 Disclosures UBS<\/em>,<em> Pr\u00e4sentation UBS vom 6. Juni 2025<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Die vollst\u00e4ndige Umsetzung der Massnahmen des Bundesrates w\u00fcrde dazu f\u00fchren, dass die UBS im Stammhaus 26 Milliarden USD an zus\u00e4tzlichem CET1 ben\u00f6tigen w\u00fcrde.&nbsp; Dies h\u00e4tte eine entsprechende Erh\u00f6hung des CET1 und Eigenkapitals auf der konsolidierten Gruppenebene zur Folge und w\u00fcrde bedeuten, dass die Gruppe als Folge der Kapitalvorschriften des Stammhauses und nachgelagerten Konzerneinheiten faktisch mit einer CET1-Quote von 19 Prozent operieren m\u00fcsste. Diese wird nachfolgend als \u00abde-facto-Anforderung\u00bb bezeichnet.<\/p>\n\n\n\n<p>Die vom Bundesrat gem\u00e4ss Vernehmlassungsvorlage zur Eigenmittelverordnung geplanten zus\u00e4tzlichen Abz\u00fcge f\u00fcr latente Steuerguthaben Software und Prudential Valuation Adjustment (PVA) w\u00fcrden auf der Gruppenstufe zu einer Reduktion des ausgewiesenen CET1-Kapitals um rund 14 Mia. USD f\u00fchren. Dadurch w\u00fcrde sich die ausgewiesene CET1-Quote von 19 Prozent auf 17 Prozent reduzieren, ohne dass sich das insgesamt erforderliche Eigenkapital ver\u00e4ndert. Als Folge davon w\u00fcrde sich der Betrag an nicht produktiv nutzbarem Eigenkapital auf fast die H\u00e4lfe des konsolidierten Eigenkapitals der Gruppe belaufen. <\/p>\n\n\n\n<h5 class=\"wp-block-heading\"><strong>Sind die erforderlichen Eigenmittel bei der UBS bereits vorhanden?<\/strong><\/h5>\n\n\n\n<p>Wie j\u00fcngst in einem Medieninterview kolportiert wurde, verf\u00fcge die UBS bereits heute \u00fcber ausreichend Eigenmittel zur Erf\u00fcllung s\u00e4mtlicher vom Bundesrat geplanten Massnahmen.<a href=\"https:\/\/www.orbit36.com\/ch\/missverstandnisse-in-der-aktuellen-debatte-um-die-kapitalregulierung-in-der-schweiz\/#_ftnref1\">[4]<\/a> Unsere Berechnungen zeigen, dass dies nicht der Fall ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Die UBS erf\u00fcllt zwar bereits heute die als Folge der CS-Fusion gestiegenen Eigenanforderungen. Dazu mussten zuerst die aufgrund regulatorischer Konzessionen entstandenen Kapitall\u00fccken im Stammhaus der ehemaligen Credit Suisse geschlossen und die progressiven Kapitalzuschl\u00e4ge der existierenden TBTF-Regulierung erf\u00fcllt werden.<\/p>\n\n\n\n<p>K\u00e4men jedoch auch noch der vollst\u00e4ndige Beteiligungsabzug der Auslandst\u00f6chter sowie die Abz\u00fcge f\u00fcr latente Steuerguthaben, Software und PVA hinzu, l\u00e4ge ihre heutige pro-Forma CET1-Quote deutlich unter den regulatorischen Anforderungen. Die UBS m\u00fcsste folglich zur Erf\u00fcllung s\u00e4mtlicher vom Bundesrat geplanten Vorschriften noch erhebliche zus\u00e4tzliche Eigenmittel aufbauen \u2013 und zwar selbst dann, wenn die von der UBS gehaltenen Kapitalpuffer miteinbezogen werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Anrechnung der Kapitalpuffer ist allerdings fraglich, da eine Bank in der Praxis nicht auf dem regulatorischen Mindesterfordernis operieren kann. Kapitalpuffer in der Gr\u00f6ssenordnung von rund zwei Prozentpunkten sind im Markt absolut \u00fcblich und notwendig, um Schwankungen und Stresssituationen abzufedern.<a id=\"_ftn1\" href=\"#_ftnref1\">[5]<\/a> Es ist daher nicht realistisch, im Stammhaus dauerhaft eine Kapitalquote auszuweisen, die unter dem markt\u00fcblichen Niveau liegt. Dies auch vor dem Hintergrund, dass sich Marktteilnehmer an der Kapitalausstattung der jeweiligen Rechtseinheiten orientieren, mit denen sie Gesch\u00e4fte t\u00e4tigen.<\/p>\n\n\n\n<p>Es ist f\u00fcr uns auch nicht nachvollziehbar, weshalb zu Abgrenzungszwecken gebildete Kapitalr\u00fcckstellungen im Stammhaus als \u00abAussch\u00fcttungsreserven\u00bb bezeichnet und als f\u00fcr den Kapitalaufbau verf\u00fcgbar betrachtet werden. Dabei handelt es sich um Eigenmittel im Umfang von rund 14 Milliarden USD die sich lediglich tempor\u00e4r im Stammhaus befanden und im 4. Quartal 2025 an die UBS Group AG weitergeleitet wurden oder im Verlaufe von 2026 weitergeleitet werden (Upstreaming).<a id=\"_ftnref2\" href=\"#_ftn2\">[6]<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Dies betrifft einerseits Gewinnr\u00fcckf\u00fchrungen von Tochtergesellschaften f\u00fcr das Gesch\u00e4ftsjahr 2024, die vom Konzern bereits im Fr\u00fchjahr als Dividende ausgesch\u00fcttet worden sind und von der UBS Group AG als Konzernobergesellschaft vorfinanziert wurden. Eigenmittel im Umfang von 6.5 Mia. USD befanden sich im 3Q25 noch in der UBS AG, wurden dann aber im 4Q25 an die UBS Group AG weitergeleitet.<\/p>\n\n\n\n<p>Durch die Fusion \u00fcbernahm die UBS anderseits auf der obersten Konzernstufe den Double Leverage der ehemaligen Credit Suisse \u2013 die CS finanzierte sich auf der Holdingstufe teilweise mit Fremdkapital. Diese reflektiert die jahrelange Praxis der Credit Suisse, Dividenden auszusch\u00fctten, welche operativ nicht verdient wurden. Wie UBS gegen\u00fcber Analysten und Investoren kommuniziert hat, beabsichtigt sie diesen Double Leverage wieder vollst\u00e4ndig abzubauen.<a id=\"_ftnref3\" href=\"#_ftn3\">[7]<\/a> Dies stellt aus unserer Sicht eine wichtige Massnahme dar, um \u00a0die Stabilit\u00e4t der obersten Konzerneinheit zu gew\u00e4hrleisten und n\u00f6tigenfalls die Umsetzung der Single-Point-of-Entry-Strategie sicherzustellen, womit eine geordnete Abwicklung grosser Banken erm\u00f6glicht wird ohne das ganze Finanzsystem mitzureissen, was im Interesse der Kunden, Beh\u00f6rden und Investoren der Bank ist. Daf\u00fcr muss die UBS jedoch Eigenmittel an die UBS Group AG zur\u00fcckf\u00fchren. Wir gehen davon aus, dass eine per 30 September in der UBS AG ausgewiesene Kapitalr\u00fcckstellung im Umfang von 8 Mia. USD gr\u00f6sstenteils f\u00fcr diesen Zweck vorgesehen ist, nebst der Gewinnaussch\u00fcttung f\u00fcr 2025.<\/p>\n\n\n\n<h5 class=\"wp-block-heading\"><strong>Schwieriger Vergleich von zuk\u00fcnftigen Kapitalquoten &#8211; auch international<\/strong><\/h5>\n\n\n\n<p>Wie sich der vom Bundesrat vorgeschlagene Abzug der ausl\u00e4ndischen Beteiligungswerte im Stammhaus auf die Eigenmittel der Gruppe auswirkt, wird unterschiedlich beurteilt. W\u00e4hrend die UBS bez\u00fcglich der CET1-Anforderung von einem de-Facto-Minimum von 19 Prozent spricht, sind es gem\u00e4ss Bund lediglich 15 bis 17 Prozent. Die Differenz ist jedoch einfach erkl\u00e4rbar.<\/p>\n\n\n\n<p>Die UBS fokussiert sich in ihrer Darstellung auf das zus\u00e4tzlich ben\u00f6tigte Eigenkapital und ber\u00fccksichtigt dabei, dass sich die CET1-Quote der konsolidierten Gruppe infolge der vollst\u00e4ndigen Kapitalunterlegung der ausl\u00e4ndischen Beteiligungen auf 19 Prozent erh\u00f6ht, wovon ihr durch die gleichzeitig geplanten Abz\u00fcge von latenten Steuern, Software und PVA rund zwei Prozentpunkte regulatorisch wieder entfallen. Die tats\u00e4chliche Belastung entspricht daher einer CET1-Quote von 19 Prozent, aufgrund der zus\u00e4tzlichen Abz\u00fcge k\u00f6nnen jedoch lediglich 17 Prozent ausgewiesen werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Bund weist in seiner Berechnung im Erl\u00e4uterungsbericht die CET1-Quote aus, wie sie bei einer Umsetzung s\u00e4mtlicher geplanter Massnahmen voraussichtlich ausgewiesen w\u00fcrde, das heisst unter Ber\u00fccksichtigung der Abz\u00fcge von latenten Steuern, Software und PVA. Zusammen mit der pauschalen Anrechnung m\u00f6glicher Mitigationsmassnahmen der Bank \u2013 ohne diese n\u00e4her zu spezifizieren \u2013 resultiert daraus eine Spanne von 15 bis 17 Prozent.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Vergleich der minimalen Kapitalanforderungen zwischen Banken in unterschiedlichen Jurisdiktionen ist aus unserer Sicht anspruchsvoll. Ein fairer Vergleich setzt voraus, dass die Risiken vergleichbar bemessen werden, was aufgrund der zeitlich unterschiedlichen Einf\u00fchrung der Basel III final Standards derzeit nur eingeschr\u00e4nkt gegeben ist. Die Schweiz hat diese im Gegensatz zu vielen ausl\u00e4ndischen Jurisdiktionen bereits vollst\u00e4ndig implementiert. &nbsp;Gem\u00e4ss Konsultationseingabe der UBS vom 29. September 2025 muss UBS deshalb rund USD 50 Milliarden h\u00f6here risikogewichtete Aktiven berechnen, resp. ca. USD 7 Milliarden mehr Eigenkapital halten, als wenn sie die EU, UK oder US-Anforderungen anwenden k\u00f6nnte.<a id=\"_ftnref3\" href=\"#_ftn3\">[8]<\/a> Dar\u00fcber hinaus ist auch der Vergleich der formaljuristischen Mindestanforderungen schwierig, da sich einzelne regulatorische Vorgaben \u00fcberlagern k\u00f6nnen, etwa im Bereich der Leverage Ratio, der Stresstests oder durch spezifische Regelungen in einzelnen Rechtseinheiten.<\/p>\n\n\n\n<p>Besonders ausgepr\u00e4gt zeigt sich diese Problematik im Fall der UBS, da die geplanten Kapitalanforderungen auf Ebene des Stammhauses dazu f\u00fchren w\u00fcrden, dass die Bank auf Konzernebene eine CET1-Quote von 19 Prozent ausweist, die deutlich \u00fcber den f\u00fcr die konsolidierte Gruppe geltenden Mindestanforderungen liegt. Bereits heute bewirken die Vorgaben f\u00fcr das Stammhaus als Einzelinstitut, dass die UBS auf Gruppenebene faktisch eine CET1-Quote von rund 14 Prozent ausweist, wenn sie s\u00e4mtliche Kapitalvorschriften auf nachgelagerten Konzernstufen erf\u00fcllt.<\/p>\n\n\n\n<h5 class=\"wp-block-heading\"><strong>Fazit<\/strong><\/h5>\n\n\n\n<p>Das Zusammenspiel der regulatorischen Vorschriften innerhalb einer international t\u00e4tigen Bankengruppe ist komplex. Damit das gesamte Regelwerk konsistent bleibt, ist es entscheidend, dass die Vorgaben in den einzelnen L\u00e4ndern sorgf\u00e4ltig aufeinander abgestimmt sind. National gepr\u00e4gte Sonderregelungen bergen die Gefahr, das Gef\u00fcge des Gesamtkonzerns zu verzerren, falsche Anreize zu setzen und im ung\u00fcnstigsten Fall sogar die Risiken zu erh\u00f6hen.<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr Orbit36 ist es schwer nachvollziehbar, weshalb die Absicherung gegen das unwahrscheinliche Extremrisiko eines Totalverlusts auf den ausl\u00e4ndischen Beteiligungswerten permanent und vollst\u00e4ndig mit hartem Kernkapital erfolgen soll. Wie in unserer ausf\u00fchrlichen Vernehmlassungsantwort (siehe<a href=\" https:\/\/www.orbit36.com\/ch\/vernehmlassungsantwort-von-orbit36-zur-eigenmittelunterlegung-im-stammhaus-systemrelevanter-banken\/)\">https:\/\/www.orbit36.com\/ch\/vernehmlassungsantwort-von-orbit36-zur-eigenmittelunterlegung-im-stammhaus-systemrelevanter-banken\/)<\/a> aufgezeigt, w\u00e4re die teilweise Anrechnung von Bail-in-Bonds zur Abdeckung dieser Risiken die \u00f6konomisch sinnvollere L\u00f6sung. Die mit den Massnahmen des Bundes angestrebten Ziele liessen sich dabei erreichen, ohne die in diesem Artikel thematisierte \u00dcberkapitalisierung der Gruppe und die daraus resultierenden negativen Auswirkungen auf die Wettbewerbsf\u00e4higkeit der UBS und des gesamten Schweizer Finanzplatzes in Kauf nehmen zu m\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Orbit36 ber\u00e4t Banken und andere Finanzinstitute in der Strategischen Planung, Treasury, Risiko- und Kapitalmanagement sowie regulatorischer Fragestellungen. Zu unseren Kunden z\u00e4hlt unter anderem auch die UBS.<\/em><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p><a id=\"_ftn1\" href=\"#_ftnref1\">[1]<\/a> Dies war im Zusammenhang mit der Einf\u00fchrung von Basel III Final zu beobachten, obwohl davon prim\u00e4r Banken betroffen waren, die den Internal-Ratings-Based (IRB)-Ansatz verwenden.<\/p>\n\n\n\n<p><a id=\"_ftn1\" href=\"#_ftnref1\">[2]<\/a> Daten basierend auf ver\u00f6ffentlichten Finanzzahlen der UBS per 31. Dezember 2024 , konsistent mit der Datengrundlage des Bundes f\u00fcr die Vernehmlassung.<\/p>\n\n\n\n<p><a id=\"_ftn1\" href=\"#_ftnref1\">[3]<\/a> Unsere Berechnung ber\u00fccksichtigt die bereits geltenden, jedoch erst 2030 vollst\u00e4ndig anwendbaren TBTF-Vorschriften und deckt sich mit den Angaben der UBS, die in ihrer Stellungnahme vom 29. September ein \u00abderzeitiges de-facto-Minimum von 14% angibt.<\/p>\n\n\n\n<p>.<a href=\"https:\/\/www.orbit36.com\/ch\/missverstandnisse-in-der-aktuellen-debatte-um-die-kapitalregulierung-in-der-schweiz\/#_ftnref1\">[4]<\/a> Finanz- und Wirtschaft vom 23. Januar 2026, &#8220;Die UBS hat bereits heute genug Eigenkapital&#8221;, Interview mit Finanzministerin Karin Keller-Sutter.<\/p>\n\n\n\n<p><a id=\"_ftn1\" href=\"#_ftnref1\">[5]<\/a> Siehe dazu auch Management-Buffer in der Studie Alvarez &amp; Marsal, Banking Regulation Primer, Oktober 2025 (Seite 9).<\/p>\n\n\n\n<p><a id=\"_ftn2\" href=\"#_ftnref2\">[6]<\/a> Gem\u00e4ss konsolidiertem Finanzbericht der UBS AG f\u00fcr das 3. Quartal 2025 bestanden per 30. September 2025 Kapitalr\u00fcckstellungen f\u00fcr Dividenden 2024 von 6.5 Mia. USD und Kapitalr\u00fcckstellungen f\u00fcr erwartete Dividenden 2025 von 8 Mia. USD (Seite 31).<\/p>\n\n\n\n<p><a id=\"_ftn3\" href=\"#_ftnref3\">[7]<\/a> Siehe dazu Erl\u00e4uterungen des UBS CFO anl\u00e4sslich der Pr\u00e4sentation der Resultate f\u00fcr das 2. Quartal 2025.<\/p>\n\n\n\n<p><a id=\"_ftnref3\" href=\"#_ftn3\">[8]<\/a> Siehe dazu Vernehmlassungsantwort der UBS vom 29. September 2025 (Seite 15).<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Debatte um die Kapitalregulierung systemrelevanter Banken in der Schweiz bleibt kontrovers. In der aktuellen Diskussion werden jedoch Fakten und Meinungen nicht immer sauber voneinander getrennt. Orbit36 setzt sich f\u00fcr eine sachgerechte und \u00f6konomisch fundierte L\u00f6sung in dieser komplexen und f\u00fcr den Schweizer Finanzplatz zentralen Fragestellung ein. 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